Hallo und guten Morgen. Bitte entschuldigt, dass es gestern kein Update gab. Ich hab einen Tag Pause gemacht, weil gestern ein wichtiger Tag für mich und meine Familie war. Wir haben meinen Vater beerdigen müssen. Ich weiss eigentlich gar nicht, ob so etwas hier hin gehört. Aber dann denke ich an meinen Vater und wie sehr er mich beeinflusst hat, und dass dies hier ein autobiographischer Comic ist. Mein Vater war ein guter Mann, und hat alles dafür getan, mir eine gute und sichere Kindheit zu bescheren. Neben all den unendlichen vielen Dingen, die ich von ihm gelernt habe, habe ich durch ihn auch den Jazz kennengelernt. Ganz ehrlich, ich weiss nicht, ob es dieses Buch geben würde, wenn mein Vater ein Polka-Fan gewesen wäre. Sicherlich war er eher ein „Trad“ als ein „Mod“, aber die Stimmen von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald haben doch schon früh die Liebe für die schwarze Musik entfacht. Irgendwann hat mich mein Vater auch zu einem Lionel Hampton Konzert mitgenommen, und hat damit grossen Weitblick gezeigt. Dieses Konzert in der Kölner Philharmonie hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich mich mein ganzes Leben daran erinnern werde. Ich könnte noch seitenweise Geschichten über meinen Vater schreiben.
Die letzten Wochen waren hart, ein ständiges Hin und Her zwischen seinem Krankenbett, meiner Familie und dem Endspurt an meinem Buch. Aber es neben all dem Stress hat es immerhin gut getan, an etwas persönlichem zu arbeiten, etwas dass ihm auch gefallen würde.
Gestern haben wir uns endgültig von ihm verabschieden müssen. Und neben all dem Schmerz, dass er nun nicht mehr ist, tut es mir ausserdem weh, dass ich ihm nun im Herbst nicht mehr mein Buch in die Hände drucken kann, und wir danach zusammen sitzen und über früher reden können. Und dabei wäre ich viel mehr an seinen Geschichten interessiert gewesen, er hat nämlich als Kriegsgeneration so einiges zu erzählen gehabt. Dem Knirschen unter den Schuhen nach der Kristallnacht, dem Hin und Her der Kinderlandverschickungen, dem kaputt gebombten Düsseldorf, den Brüdern an der Front, und dem Verlust von lieben Vertrauten. Von der Nachkriegszeit in Düsseldorfs Milchbars, wie er nach einem Duke Ellington Konzert mit seinen Freunden wie irre durch die Strassen gesprungen ist. Und seiner Zeit in England, wo er in Tanzclubs rumgehangen hat, und die Teddie Boys begutachtet hat.
Ich merke, dass hier schon fast ein neues Buch entsteht.

Es ist schon seltsam, die heutige Seite habe ich etwa zwei Jahren gezeichnet, damals war gerade ein guter Freund von mir gestorben. Meine damals vierjährige Tochter hat die Seite gesehen und war sehr beeindruckt von der Traurigkeit, die aus ihr spricht, obwohl der Tod des Freundes ja eigentlich nichts mit der Geschichte zu tun hat. Dass sie ausgerechnet jetzt wieder an der Reihe ist, gehört wohl zu diesen Momenten, die man nicht erklären kann.

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Turner Bros – Running In The Rain