Irgendwie passt die heutige Seite ganz gut, aber anderseits auch wieder nicht. Ich fühl mich reichlich ausgeknockt, aber guck dabei nicht so verkniffen wie auf der Zeichnung, sondern eher selig. Ich bin zurück vom Comicsalon und was war das für eine fantastische Woche. Noch nie war ich so lang in Erlangen, und gleichzeitig ist die Zeit dort noch nie so schnell vergangen. Aber der Reihe nach:
Nach einer Hinfahrt, die sich zog wie Kaugummi kam ich am Montag abend gerade noch rechtzeitig an, um all meinen Krempel für die Ausstellung bei Ultra Comix abzuladen. Es war erstaunlich, wieviele Leute schon vor Ort waren, und so hab ich mich gleich mal mit Christian Maiwald von Dreimal Alles zu böhmischer Geselligkeit und Schnitzel getroffen.
Am nächsten Tag hab ich dann begonnen, die Ausstellung aufzubauen, zunächst das Schaufenster, in dem ich ein Wesel Panorama installiert habe. Vor dieser Kulisse habe ich die Subkulturen der Achtziger und Neunziger präsentiert, in der Art von Schautafeln aus der Schule. Ich hab mich nur ein wenig verkalkuliert und hatte zu viele davon, also sind ein paar auch noch nach unten gewandert, wo der Hauptteil der Ausstellung sich befand. Dort habe ich ein Making of meines Buches präsentiert, Skizzen, Vorzeichnungen und Originale, aber auch Fotos von früher, grossformatige Kunstdrucke und Wandmalereien. Diesen Teil habe ich dann am Mittwoch aufgebaut, mit tatkräftiger Unterstützung der lieben Damen von Carlsen. Eine Stunde vor Ladenschluss waren wir fertig, schon ziemlich erledigt, aber glücklich, dass alles geklappt hat. Abends war dann schon die inoffizielle Eröffnung, das Abschlussgrillen des Erlangener Comicseminars. Es waren dieses Jahr im Rahmen der „Parade“ auch sehr viele Künstler aus den Niederlanden anwesend, was mich sehr gefreut hat.
Am Donnerstag ging’s dann richtig los, auf zum Salon, und stolz wie Bolle, dass direkt neben dem Haupteingang eine riesige Fahne vom Fahrradmod hing. So auf dem Salon repräsentiert zu sein ist doch wahrscheinlich der stille Wunsch von jedem Comiczeichner, und wenn man das dann so hängen sieht, fühlt sich das schon echt grossartig an. Wie gesagt, es geht los, was heisst alle zu begrüssen, die ersten Signierstunden zu erledigen, und sich langsam zurecht zu finden.
Am Donnerstag abend gab’s ein sehr nette Essen mit der ganzen Carlsen Belegschaft, wo ich mich unter anderem mit Simon Spruyt unterhalten habe, sein Buch Juncker find ich wirklich grossartig. Danach war noch die schöne Party von Dreimal Alles bei Gummi Wörner. Das war ein wunderbarer Abend, fast die gesamte Zeichnerschaft war gekommen, und so kam man gar nicht heraus aus dem Erzählen. Besonders schön, wenn man noch Tränen lachend ins Hotel stolpert.
Danke Arte!
Freitag mittag leicht verkatert zum Salon zum Carlsen Stand signieren, aber da war es relativ ruhig wie auch auf dem Rest der Messe. Danach hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Goethe Institut, in meiner Ausstellung, die schliesslich um 17 Uhr offiziell eröffnet wurde, auch wenn sie das natürlich längst war. Mein Redakteur Klaus Schikowski hat noch ein paar nette einleitende Worte gefunden und Fragen gestellt, wenn ich auch ein klein wenig mit ihm schimpfen muss, dass er Zwerchfells Rolle nicht korrekt genannt hat. Aber dafür gibt es ja den Röhrenden Hirschen, bei dem ich auch ganz gut mein Fett weggekriegt hab. Meine Vergesslichkeit auf Comic Festivals ist ja inzwischen legendär, das ging schon mit vergessenen Taschen in den Nullerjahren los, und seitdem ist mein Kopf nur noch voller geworden. Das ständige Namensdauerfeuer bei Signierstunden tut Ihr übriges, und so passiert es dann schon mal, dass man sogar den Namen von Leuten vergisst, die einem doch eigentlich sehr am Herzen liegen, oder mit denen man ständig zusammenarbeitet. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich kaum noch aus meiner Zeichnerbude rauskomme, und nur noch mit Facebookprofilen kommuniziere, bei denen immer schön der Name dransteht (siehe auch Handygeneration > Telefonnummern merken).
Wo war ich? Ach ja, kurz vor der Preisverleihung des Max und Moritz Preises. Mittlerweile ein einziges Nervenbündel hab ich versucht, das mit einem neuen Anzug zu kaschieren, damit man den Leuten mal zeigt, wie Mods eigentlich aussehen. So waren wir dann noch mit der Gala-Delegation essen, bevor wir uns dann zum Theater aufmachten.
Mir wurde im Vorfeld schon zugeraunt, dass die Platzverteilung durchaus eine Rolle spielen könnte, und dass ich einen Sitz direkt am Gang hatte, resultierte in einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Aber little did I know: Nachdem mein Buch als Teil der Nominierten für den besten deutschsprachigen Comic vorgestellt wurde, und Hella von Sinnen ein bisschen von ihren eigenen Erfahrungen mit The Who erzählt hatte, trat sie auf einmal auf die Mitte der Bühne und rief, ob ich denn da wäre und ob ich mal aufstehen könnte. Horror! Ich sollte mal bitteschön vortanzen, wie Mods so tanzen. Das ganze war nicht abgesprochen, hätte ich auch nie zugestimmt, und ich bin innerlich fast gestorben, erst recht, als das Publikum mich dann auch noch auf der Bühne sehen wollte. Naja, Ihr könnt Euch das Ganze ja mal in voller Länge anschauen. Insgesamt eine komische Aktion, aber ich bin froh, dass die Leute Ihren Spass hatten, aber wenn ich jemand mit Sozialängsten wäre, hätte man mir da ein hübsches Trauma besorgen können. So aber wissen die Leute wenigstens in aller Deutlichkeit, was Mod ist: eben eine gute Figur machen, auch unter schwierigen Umständen (Clean living under difficult circumstances). Gewonnen hab ich leider nichts, dafür war die Manga Army zu mächtig, selbst mit einer Mod Armee war da nichts auszurichten. Trotzdem möchte ich mich sehr bei Euch für Eure Unterstützung bedanken, ich weiss, Ihr habt alles gegeben. Aber immerhin hab ich mit meiner kleinen Tanzeinlage ein eiskaltes Dosenbier bekommen, um das mich der ganze Saal beneidet hat. Die Gewinner hatten nur Wasser und Brot 😉 Und Christian hat mir noch in der Veranstaltung eine Zeitlupen-Aufnahme meines Kicks geschickt, der Tausendsassa.

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Inzwischen ist daraus ein kleiner Meme-Wahnsinn entstanden, dem man schön auf Facebook folgen kann.

Der Abend klang dann noch schön aus im Biergarten des Theaters mit vielen, vielen Gesprächen und zahlreichen Schulterklopfern.
Samstag dann nochmal Ortstermin in der Ausstellung bei Ultra Comix zum Signieren und anschliessend beim Carlsen Stand. Samstag abend gab es dann noch die grosse Abschlussparty, ebenfalls mit viel Tanz, aber so wie es sein soll, im Halbdunkel zwischen hundert anderen. Danach noch in eine neue Bar gestolpert, vor der ich auch den Namen vergessen habe (siehe oben), und natürlich auch noch in den Schwarzen Ritter, aber da war ich auch schon ordentlich bettschwer.
Am Sonntag gabs noch eine letzte Signierstunde, und auf dem Weg dahin hab ich mir noch die fantastische Kinky & Cozy Experience angeschaut, wenn Ihr der irgendwo mal wieder begegnen solltet, auf keinen Fall verpassen. Bei der Frankfurter Buchmesse zum Beispiel. Was für ein Aufwand, um ein Buch zu verkaufen. Vielleicht sollte es auch mal einen Max & Moritz Preis für das beste Marketing geben. Auch schön war die Plattenversteigerung vom Michalke, Evelyn und Kalli. Hat zwar nix mit Comics zu tun, hatte aber grossen Unterhaltungswert, kann man gerne wiederholen.
Und nach meiner Signierstunde hab ich noch die obligatorische Abschiedsrunde gedreht um mich zu verabschieden, dann alles in mein Auto geworfen, und bin in die endlosen Staus entschwunden. Zum Glück hatte ich mit dem Wetter noch einigermassen Glück. Trotzdem war ich erst nach Mitternacht zuhause.
Es war wieder ein wunderbarer Salon, wenn auch viel hektischer als in den letzten Jahren. Wie gesagt, kaum begonnen, war es schon wieder vorbei. Ausserdem konnte ich auch nur ganz wenige Ausstellungen anschauen, und zum ersten Mal hab ich keine einzige Podiumsdiskussion miterlebt. Und trotz all der vielen Gespräche waren es immer noch zu wenige.
Jetzt wartet die Nachbereitung und der Alltag. Und gleichzeitig gilt es, die nächste Ausstellung vorzubereiten, die ist nämlich schon in: Schockwerenot, in 19 Tagen!
Merkt’s Euch: 18. Juni Centrum Wesel.
Aber ich will mich trotzdem noch schnell bedanken: für die grossartige Hilfe der Carlsens, allen voran Claudia (die wirklich unglaubliches leistet auf so einem Salon, und es trotzdem nie in den Röhrenden Hirsch schafft), Inga und Sabrina. Aber natürlich auch alle anderen, es ist wirklich ein schönes Gefühl, als Zeichner so gewertschätzt zu werden. Dass Carlsen mein Buch auf dem Salon so stark gefeaturet hat, ist keinesfalls selbstverständlich, denn sie sind ja eigentlich schon mit den aktuellen Neuerscheinungen beschäftigt. Das tut also wahnsinnig gut. Auch danke an Rüdi und Christian und dem Rest der Ultra Comix Leute, ich hab mich sehr wohlgefühlt in Eurem schönen Laden. Und natürlich auch Danke für all die netten Gespräche, die vielen schönen Bücher, die ich mit nach Hause nehmen durfte, und all die schönen Erinnerungen. Danke für dieses tolle Comicvolk, you know who you are, auch wenn ich das manchmal vergesse. Und danke auch an meine Familie und Marije, die auch so unglaublich für die Ausstellung mitmalocht hat, mir immer den Rücken stärkt und dafür einiges auf sich nimmt, um mir den Raum zu geben, diese Sause alle zwei Jahre mitzumachen. Danke liefje.
Erlangen ist einer der schönsten Orte in meiner Welt. Danke.

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Mitch Ryder and the Detroit Wheels – You Get Your Kicks